19-07-10 17:09
Leipziger Kummer
Sie hatten sich vorgenommen bei der Fechteuropameisterschaft im eigenen Land für einen Achtungserfolg zu sorgen, aber das Ergebnis ist ernüchternd: Während HSB-Degendame Monika Sozanska das Feld der besten 32 verpasste, musste Juniorin Ricarda Multerer bereits nach der Vorrunde die Planche räumen.

Was auch immer Monika Sozanska probierte: ihre Gegnerin Jurate
Stucinskaite fand die passende Antwort und sorgte für ein frühes
Aus der HSB-Fechterin.
Der erste Turniertag bei den Fechteuropameisterschaften in Leipzig war kein leichter für den Heidenheimer Bundestrainer Piotr Sozanski: Während Ricarda Multerer als eine der Jüngsten die Vorrunde nicht überstand und seine Tochter Monika Sozanska in der Direktausscheidung der letzten 64 Fechterinnen ausschied, zeichnete sich auch noch ab, dass am nächsten Tag mit der innerdeutschen Paarung Britta Heidemann gegen Imke Duplitzer entweder die amtierende Europameisterin oder die Deutsche Einzelmeisterin ausscheiden wird. Das hatten sich die deutschen Degendamen sicherlich anders vorgestellt, aber ein Blick auf den Turnierverlauf erklärt diese Konstellation:
Ricarda Multerer kann sicherlich auf reichlich Erfahrung bei internationalen Wettkämpfen bauen, doch das internationales Großereignis unter Aktiven ist für sie offenbar stärker zur Belastung geworden als vermutet. Keiner im Heidenheimer Lager kann sich erinnern, dass Ricarda jemals zuvor alle Gefechte einer Vorrunde verloren hatte. Sechs Niederlagen sind ein eindeutiges Zeichen für einen rabenschwarzen Tag und Bundestrainer Sozanski hatte zumindest die Erkenntnis, dass sein Schützling nun auch einmal diese Erfahrung einer „kalten Dusche“ durchgemacht habe. Besser wäre ihm allemal lieber gewesen, auch wenn die Niederlagen gegen durchaus namhafte Gegnerinnen zustande kamen: Sonja Tol aus den Niederlanden ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt im Weltcup-Zirkus, und gegen die ehemalige Junioren-Weltmeisterin Johanne Bergdahl ist eine Niederlage verschmerzbar. Da es aber auch gegen Irina Embrich aus Estland, Suvi Lehtonen aus Finnland, Daniela Doubova aus der Tschechischen Republik und gegen Jurate Stucinskaite aus Litauen zu keinem Sieg gereicht hatte, war für die junge Heidenheimerin das Abenteuer „EM Leipzig“ schnell und eindeutig vorbei. Ein Unglück kommt selten allein und so war es gewissermaßen schicksalhaft, dass mit Monika Sozanska auch die andere Heidenheimer Degenspezialistin wenig später gegen die Litauerin Stucinskate klein beigeben musste. Dabei hatte die EM für Sozanska zunächst richtig gut begonnen: In der Setzrunde legte die 14. der Weltrangliste aufmerksam los und konnte in der Vorrunde vier Siege bei nur einer Niederlage verbuchen. Besiegt wurde sie nur von der Französin Maureen Nisima, aber obwohl Sozanska die Tschechin Tereza Stefflova, die Estin Kristina Kuusk, die Schwedin Kinka Barvestad und die Engländerin Elisa Albina bezwang, war der letzte Sieg der Vorrunde doch mitentscheidend für das frühzeitige Aus: Einen Treffer mehr und Monika Sozanska wäre das Aufeinandertreffen mit dem litauischen „Urgestein“ Stucinskaite erspart und der direkte Einzug ins 32er-Tableau sicher gewesen. So aber tat sie sich von Anfang schwer, weil sich die Litauerin von Sozanska einfach nicht herauslocken ließ. Früh im Rückstand aber war die ansonsten eher defensive Heidenheimer gezwungen, zu attackieren, und dies nutzte ihre Kontrahentin clever aus. Immer dann, wenn Sozanska dran war, wie beispielsweise beim 2:3 oder beim 5:6 oder beim 6:7, legte Stucinskaite wieder einen Treffer vor. Am Ende lief die Zeit davon und so endeten die stürmischen Angriffe in einer bitteren 10:13-Niederlage. Sichtlich geknickt blieb der ehrgeizigen Heidenheimerin nichts anderes übrig als dieses frühe K.o. hinzunehmen. Platz 33 für Sozanska und Platz 68 für Multerer bei der Fechteuropameisterschaft entspricht sicherlich nicht den Erwartungen. Zusammen mit dem Bundestrainer gilt es nun, die Wunden zu lecken und einmal mehr die nötige Zuversicht für den Mannschaftswettbewerb am Mittwoch zu entwickeln. Da sich mit Imke Duplitzer – nach Sieg über Olympiasiegerin Britta Heidemann im 32er-Feld – nur eine Deutsche unter die besten 16 Degenfechterinnen einreihen konnte, die am Ende (sogar ..... wurde), mag für die Erfolgsbilanz des Deutschen Damendegens im Einzelwettbewerb ein (schwacher/guter) Trost sein. Der Bundestrainer und die anderen deutschen Degendamen stehen jedenfalls mit Blick auf den Mannschaftswettbewerb erneut vor einer schwierigen Herausforderung.